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Brigitte Freihold

Grotesk und hilflos

So können beleidigte Pennäler reagieren, aber nicht der Oberbürgermeister einer Stadt

DIE LINKE Pirmasens: Offener Brief an Süddeutsche wäre besser in der Schublade geblieben

Mit einer außergewöhnlichen Maßnahme hat der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens und Vorsitzende des rheinlandpfälzischen Städtetags, Dr. Bernhard Matheis, auf die Reportage „Die inneren Werte“ in der Süddeutschen Zeitung vom 4. September reagiert. Mit einer Mischung aus Ironie und Fatalismus will es Oberbürgermeister Matheis überregionalen Medien zukünftig erleichtern, das nach seiner Meinung vorgefertigte „Pirmasens Bashing/Haudrauf“ anhand statistischer Daten zu verfassen. Man wolle deshalb Journalisten zukünftig gleich zu den unansehnlichsten und dunkelsten Ecken der Stadt führen sowie auf die Pflege von Grünanlagen verzichten. Damit ließe sich der Aufwand für die Berichterstattung sowohl für die Stadt als auch für die Journalisten verringern. Darüber hinaus schlägt der Oberbürgermeister die Ausschreibung eines „Bulldozer Preis“ für diejenigen Journalisten vor, denen es am besten gelingt, das Image der Stadt Pirmasens zu beschädigen.

Dazu erklärt die Vorsitzende der LINKEN Pirmasens, Brigitte Freihold: „Der offene Brief von Oberbürgermeister Matheis an die Süddeutsche Zeitung wäre besser in der Schublade geblieben. Was als sarkastischer Humor und Ironie daherkommen wollte, ist in Wirklichkeit grotesk und hilflos. So können beleidigte Pennäler reagieren, aber nicht der Oberbürgermeister einer Stadt und Vorsitzende des rheinlandpfälzischen Städtetags. Die von der Süddeutschen Zeitung erneut und unter Nennung der Quellen aufgezeigten Problemlagen der Stadt Pirmasens sind eben nicht nur Statistiken, sondern die soziale Realität der hier lebenden Menschen. OB Matheis versucht, die Arbeit von Journalisten zu diskreditieren, die sich auf amtliche Statistiken und nachprüfbare Fakten berufen. Auf was sollten sich seriöse Journalisten sonst berufen? Auf die Glaskugel? Matheis unterstellt den Medien gezielte Imageschädigung durch die Publikation von holzschnittartigen und undifferenzierten Presseberichten. Dass OB Matheis seine Presseschelte als Ironie verkleidet, machen seinen Angriff auf die Pressefreiheit und die gespielte Opferlammattitüde weder besser, noch origineller. Schuld an der Misere der Stadt Pirmasens sind nicht die Journalisten, die darüber berichten, sondern eine seit Jahrzehnten falsche Politik. Herausragend ist die Pirmasenser Stadtpolitik nur in einem einzigen Punkt: Der Hartnäckigkeit, mit der die soziale Realität geleugnet und eigene Anstrengungen zur Verbesserung der sozialen Situation unterlassen werden. Durch von der Industrie gesponserte Nachhaltigkeitspreise, Leuchtturmprojekte oder Aufhübschen des Stadtbildes ändert sich an der Lebenssituation von Sozialleistungsbeziehern, prekär Beschäftigten oder von Armut betroffenen Rentnerinnen und Rentnern rein gar nichts. Wer arm ist, muss früher sterben. Im Durchschnitt 8 Jahre früher als Menschen in gutsituierten Verhältnissen. Das ist eine festgestellte Tatsache, die man zwar leugnen oder mit zynischem Humor begegnen kann, aber aus der Welt bekommt man sie damit nicht.“

Brigitte Freihold, Vorsitzende DIE LINKE Pirmasens



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