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Brigitte Freihold, DIE LINKE Pirmasens

Brigitte Freihold

Wahlkampfdienliche Umfragen ohne Informationswert

Durch die Verknüpfung der Befragung mit der politischen Präferenz der Befragten lässt sich trefflich politische Stimmung erzeugen

DIE LINKE Pirmasens: Wer aus Meinungen Fakten machen will, ist von Trump nicht weit entfernt

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Diese Frage bzw. die daraus entwickelbaren Antworten sind in etwa so nutzlos wie die kürzlich erschienenen Ergebnisse der RHEINPFALZ-Umfragen 2020. Abgefragt wurden vom Mannheimer Institut CMR die Grundstimmung der Pirmasenser und die Attraktivität der Innenstadt. Die Abfrage von Meinungen ohne die Erhebung von grundlegenden Daten und Fakten, die eine solche Meinung begründen könnten, mag als sinnfreie Spielerei noch durchgehen. Doch der Rheinpfalz-Verlag verfolgt mit seinen Umfragen, die natürlich auch Geld kosten, offensichtlich einen Zweck: Durch die Verknüpfung der Befragung mit der politischen Präferenz der Befragten lässt sich trefflich politische Stimmung erzeugen, schließlich naht das Superwahljahr 2021.

Dazu erklärt die Vorsitzende der LINKEN Pirmasens, Brigitte Freihold: „Dass die durchschnittlich oder gar besserverdienenden Wählerinnen und Wähler von CDU, FDP, FWB oder Grünen die Stadt Pirmasens positiver als Geringverdiener, prekär Beschäftigte oder Arbeitslose sehen, die zu den potentiellen Wählern der LINKEN gehören, dafür hätte es keiner Umfrage bedurft. Eine positive oder negative Grundeinstellung wird maßgeblich von der persönlichen Lebenssituation beeinflusst, das ist eine Binsenweisheit. Und nach mehr als Grundeinstellungen wurde auch nicht gefragt. Was bringt eigentlich 62 Prozent der potenziellen CDU-Wähler dazu, die Entwicklung des Einzelhandels als positiv zu bewerten? Die Fakten können es nicht sein, denn die sind weiterhin negativ. Darüber hinaus kann bezweifelt werden, ob die von der Innenstadtentwicklung begeisterten FDP und CDU- Wähler ihren Bedarf tatsächlich in Pirmasens decken – denn danach wurde ebenfalls nicht gefragt. Die letzten seriösen und ohne politische Absicht erhobenen Zahlen stammen aus dem Einzelhandelskonzept von 2017. Demnach hat sich die Verkaufsfläche des Pirmasenser Einzelhandels von 2011 bis 2017 von 102.095 Quadratmeter auf 89.750 Quadratmeter verringert. Extreme Umsatzrückgänge gab es im gleichen Zeitraum z.B. bei Haushaltswaren, Büchern, Hobby, Sport und Freizeit.

Wer aus Meinungen politisches Kapital ziehen möchte, ist nicht weit von Trump entfernt. Der einzige Informationsgehalt dieser Umfragen besteht darin, die Parteipräferenz der Befragten in Zusammenhang mit ihrer Sicht auf die Stadt zu bringen: Wer die Stadt nicht schönredet, wird an den Pranger gestellt, diese Taktik wird von OB Zwick auf die Spitze getrieben, wenn er öffentlich äußert, missliebige Medien verhindern zu wollen. Auch dies eine deutliche Parallele zum US-Wahlkampf. Fakt ist: Die Lage der Stadt und des Pirmasenser Einzelhandels kann durch Schönreden oder manipulative Umfrageergebnisse ebenso wenig verbessert werden wie die US-amerikanischen Wahlergebnisse für Trump. Meinungen können Fakten nicht ersetzen. Interessant ist, dass die Pirmasenser Einzelhändler bei ihrem Statement zur Lage nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit befragt wurden. Natürlich hat Pirmasens seine guten und schönen Seiten, natürlich gibt es selbst bei den Sozialdaten eine positive Entwicklung, wenn auch nur in absoluten Zahlen und kaum im Vergleich mit ähnlichen Städten in Rheinland-Pfalz, die von der letzten Aufschwung-Phase mehr als Pirmasens profitierten. Nur eines sollte auch bei Mitte-Wählern und Pirmasens-positiv-Bewertern Konsens sein: Kritische Stimmen gehören in eine Demokratie.“

Brigitte Freihold, Vorsitzende DIE LINKE Pirmasens

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